Lehrer plädieren für eine Kultur des Hinhörens und Hinsehens

Mittwoch, 26. April 2017, 16:46 Uhr
15 Jahre nach „Erfurt“: Zum 26.04.2017

Lehrer plädieren für eine Kultur des Hinhörens und Hinsehens

- Lehrer sehen sowohl Fortschritte als auch weiteren Handlungsbedarf

- Regionale Gewaltgipfel und mehr Schulpsychologen notwendig

Fünfzehn Jahre nach dem Amoklauf eines ehemaligen Schülers am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt mit 16 Toten und 8 Jahre nach dem Amoklauf eines ehemaligen Schülers in Winnenden mit 15 Toten stellt der Deutsche Lehrerverband (DL) Fortschritte bei der Erarbeitung von schulischen Sicherheitskonzepten und Notfallplänen fest. DL-Präsident Josef Kraus weist aber darauf hin, dass eine als präventives Frühwarnsystem notwendige Kultur des Hinhörens und des Hinsehens immer noch zu wenig ausgeprägt sei.
Die Vorbereitung der Schulen auf einen möglichen Ernstfall durch technische Ausrüstung und durch eingeübte Konzepte sei ein sehr wichtiger Aspekt. Ebenfalls wichtig seien gesellschaftliche Vorgänge wie die Verschärfung des Waffenrechts. Gleichzeitig könne es aber nicht darum gehen, mit einem Übermaß an Kontrollen die Schulen zu Festungen auszubauen.
Noch mehr Aufmerksamkeit als bislang vor allem auch angesichts des verstärkt um sich grei-fenden Cyber-Mobbings müsse dem Medienkonsum von Jugendlichen und der zunehmenden Verbreitung von Gewalt via Computern, Spielekonsolen, Fernseher und Smartphones gelten. Untersuchungen zeigen eindeutig: Wenn ein Jugendlicher solche Medien in seinem Zimmer habe, würden diese Medien nicht nur doppelt so lange, sondern auch zum Konsumieren weitaus brutalerer Inhalte genutzt. Ein exzessiver Konsum von Computerspielen führe zu Abnabelung von Freunden und Familie, zum Nachlassen bei schulischen Leistungen und damit auch zu Perspektivlosigkeit. Zwar führe das nicht in jedem Fall zu Gewalt, doch ein Hinsehen von Familie, Freundeskreis, Schule und Gesellschaft auf entsprechend geprägte Heranwachsende sei in jedem Fall notwendig. Der Gewaltbereitschaft junger Menschen könne nur dann wirksam begegnet werden, wenn Politik, Medien, Jugendarbeit und Elternhäuser an einem Strang zögen und die Schulen bei diesem Problem nicht allein gelassen würden.
Kraus erneuerte seine Forderung nach regionalen Anti-Gewalt-Gipfeln, bei denen alle betroffenen gesellschaftlichen Gruppen über Vorgehensweisen beraten und sich vernetzen könnten. Dabei müsse auch sichergestellt werden, dass die besprochenen Maßnahmen umgesetzt würden und nicht bloße Beschlüsse blieben. Außerdem fordert Kraus eine bessere Ausstattung der Schulen mit Schulpsychologen, damit auffällige Schüler bereits dort früher erkannt und einer professionellen Betreuung zugeführt werden könnten.
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Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945.

Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband Anne Schirrmacher

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